Preise sauber kalkulieren – (nicht nur) für Handwerker

Warum eine klare Kalkulation über Ihre Zukunft entscheidet

Viele Unternehmer setzen ihre Preise „nach Gefühl“ – und freuen sich, wenn die Auftragsbücher voll sind. Doch volle Auftragsbücher sind kein Garant für ein gutes Geschäft. Entscheidend ist, ob die Preise so kalkuliert sind, dass alle Kosten gedeckt sind und ein Gewinn bleibt, der auch den Unternehmer selbst absichert.

Denn aus dem Gewinn müssen noch Steuern, Altersvorsorge, Versicherungen und Rücklagen bezahlt werden. Wer hier zu knapp kalkuliert, erlebt schnell böse Überraschungen.

Beispiel 1: Der Fliesenlegerbetrieb

Ein Fliesenleger mit zwölf Mitarbeitenden erwirtschaftet 790.000 € Umsatz und 610.000 € Kosten. Das ergibt 180.000 € Gewinn – auf den ersten Blick solide.

Doch die Realität sieht so aus:

  1. Mitarbeiter wollen Gehaltserhöhungen – verständlich und nötig, um Fachkräfte zu halten (+5 % auf die Lohnkosten).
  2. Neue Maschinen werden fällig – Investition: 90.000 € (auf 5 Jahre = 18.000 € jährlich).
  3. Neues Geschäftsfeld – ökologische Heizsysteme wie Fußbodenheizungen. Dafür kalkulieren wir zusätzliche Kosten (Marketing, Schulung) von 20.000 €.

Die Folge: Die jährlichen Gesamtkosten steigen auf 666.300 €.
Um das Gewinnniveau von 180.000 € zu halten, muss der Betrieb seinen Stundenverrechnungssatz von rund 72 € auf knapp 77 € anheben.

Info-Kasten: Was am Ende übrig bleibt

Ausgangslage: Gewinn laut BWA = 180.000 €

PostenAnteilBetrag
Einkommensteuer35 %–63.000 €
Altersvorsorge/Rücklagen13 %–24.000 €
Kranken- & Berufsunfähigkeitsschutz7 %–12.000 €
Risiko- & Investitionsrücklage10 %–18.000 €
Liquiditätspuffer5 %–9.000 €
Verfügbar für den Unternehmer30 %54.000 €

👉 Von 180.000 € bleibt also unterm Strich nur 4.500 € im Monat für den Unternehmer persönlich.

Preiserhöhung ist nicht gleich Luxus

Viele Kunden reagieren auf Preiserhöhungen zunächst skeptisch – schnell entsteht das Bild, der Unternehmer wolle sich „noch mehr in die eigene Tasche stecken“. Die Realität sieht anders aus: In den meisten Fällen dient eine Preisanpassung nicht dazu, das Luxusleben des Unternehmers zu finanzieren, sondern schlicht dazu, das bisherige Einkommensniveau zu sichern. Steigende Löhne, höhere Materialkosten, Investitionen in moderne Technik und Vorsorgeaufwendungen fressen den Gewinn auf. Wer die Preise nicht anpasst, verdient am Ende weniger – obwohl er genauso viel oder sogar mehr arbeitet.

Beispiel 2: Der Onlinehändler

Im Onlinehandel wird nicht nach Stunden kalkuliert, sondern pro Stück. Doch die Logik ist identisch:

  • direkte Kosten: Einkaufspreis des T-Shirts, Versand, Verpackung
  • Gemeinkosten: Shop-System, Marketing, Retouren, Personal, Lagerhaltung
  • Gewinnaufschlag: notwendig für Steuern, Vorsorge, Rücklagen

Setzt der Händler den Verkaufspreis zu niedrig an, bleibt trotz hoher Stückzahlen wenig übrig. Erst eine saubere Kalkulation zeigt die wahre Preisuntergrenze – und wie viel Aufschlag nötig ist, um Gewinn zu erzielen.

Beispiel 3: Der IT-Berater

Auch ein IT-Berater arbeitet nicht auf Stundenlohnbasis, sondern meist mit Tagessätzen oder Projektpauschalen. Doch auch hier gilt:

  • direkte Kosten: eigenes Gehalt, evtl. Freelancer-Unterstützung, Software-Lizenzen
  • Gemeinkosten: Büro, Weiterbildung, Versicherungen, Marketing
  • Gewinnaufschlag: für Unternehmerlohn, Rücklagen und Altersvorsorge

Ein Tagessatz von 800 € klingt hoch. Doch nach Abzug aller Kosten und Abgaben bleibt oft weniger übrig, als man denkt. Ohne solide Kalkulation rutscht auch ein hoch spezialisierter Berater schnell in die Falle, dass viel Arbeit wenig einbringt.

Der gemeinsame Nenner

Ob Stundenverrechnungssatz, Stückpreis oder Projekthonorar – die Formel bleibt gleich:

Preis = Kosten + Wagnis + Gewinn

  • Kosten: alle direkten und indirekten Aufwendungen
  • Wagnis: Risiko, dass nicht alles planmäßig läuft
  • Gewinn: nicht Restgröße, sondern bewusst geplanter Bestandteil

Fazit

Eine saubere Kalkulation ist kein Luxus, sondern das Fundament für ein gesundes Unternehmen. Sie schützt Sie vor bösen Überraschungen, sichert Ihre Zukunft und macht Sie unabhängig.

Egal, ob Sie Fliesen verlegen, T-Shirts verkaufen oder IT-Projekte betreuen: Nur wer seine Preisuntergrenze kennt und Gewinn bewusst einplant, kann nachhaltig erfolgreich arbeiten.

Gern unterstützen wir Sie bei der individuellen Kalkulation. Sprechen Sie uns an.

Kommunikationstipp

Sie stellen sich gerade vor, Sie müssen beim nächsten Angebot Ihrem Kunden die höheren Preise „erklären“?

Preiskommunikation beginnt immer mit Ihrer Haltung:
– Ich verkaufe keine Arbeitszeit, sondern Lösungen.
– Ich bin ein Problemlöser, kein Bittsteller.
– Preise sind Ausdruck meiner Professionalität, nicht Verhandlungsmasse.

Auf ein „Das ist aber teuer“ Ihres Kunden sagen Sie dann zum Beispiel:
„Damit wir weiterhin mit voller Qualität, gutem Material und verlässlichen Mitarbeitern für Sie da sein können, passen wir unsere Preise an.“

Die Personalkostenquote – nicht zu ändern?  

Gerade in Zeiten des Personalmangels rücken die Personalkosten – für viele von Ihnen ja eine der größten Kostenpositionen überhaupt – verstärkt in den Fokus. Steigende Löhne und Gehälter sind scheinbar im Moment nicht zu vermeiden. In Gedanken müssten Sie die „(noch) nicht gefundenen Arbeitnehmer“ für eine mindestens mittelfristige Betrachtung sogar mit einbeziehen.

Die Formel:

Personalkosten x 100  = Personalkosten in % vom Umsatz

          Umsatz

Wann es sich um eine „gute“ Personalkostenquote handelt, hängt von der Branche ab, in der Sie tätig sind. Bei Dienstleistern ist sie meist ziemlich hoch (40 – 50 % sind hier keine Seltenheit). Bei Handel, Handwerk und Produktion spielen Warenkosten eine größere Rolle, so dass hier niedrigere Personalkostenquoten zu erwarten sind.

Unser Tipp: Nutzen Sie Branchenvergleiche wie etwa die Branchenübersichten der Banken (Beispiel Volksbanken: https://www.vvr-bank.de/wir-fuer-sie/aktuelles-regionales/firmenkunden/branchenbericht-branchen-special.html)

Auch Ihre Berufsverbände wie Innungen oder Verbände sowie Branchenzeitschriften veröffentlichen solche Kennzahlen-Informationen.

Sie denken jetzt vielleicht: „Die Info ist gut, aber ändern kann ich an dieser Quote eh nichts.“

Hier unsere Empfehlung, warum sich die Beschäftigung mit dieser Kennzahl trotzdem lohnt.

  • Grundlage für die Preis-Kalkulation

Wenn Sie die Löhne und Gehälter nur bedingt senken können, sollten Sie am zweiten Faktor der Kennzahl arbeiten: am Umsatz.

  • Grundlage für strategische Entscheidungen

Welche Tätigkeiten üben die einzelnen Mitarbeiter aus? Welche davon sind Umsatz- oder besser „Gewinnbringer“? Welche sind nicht (mehr) rentabel und können daher zur Disposition gestellt werden?

Wo lohnt es sich dementsprechend Schwerpunkte im Sinne einer Spezialisierung zu setzen? Gibt es Tätigkeiten, die Sie outsourcen können?

  • Anreiz zur Verschlankung/ Digitalisierung

In Ihren Prozessen „schlummert“ Potential. Papierloses Arbeiten spart viel Zeit insbesondere in der Verwaltung und beim Außendienst. So nutzen Sie die Arbeitszeit Ihrer bestehenden Mitarbeiter besser.

Unser Tipp: Stellen Sie sich in Ihren Prozessen drei Fragen:

  • Was lassen wir bleiben?
  • Was machen wir anders?
  • Was macht demnächst ein anderer?